Rückblick

Pioniere, Piloten, Printer

Der Online Expertentalk vom 29.09.2020
Pioniere, Piloten, Printer – Vorbilder im Paper & Print

In der neuen Runde des IGEPA-Expertalks, zu der diesmal Salzer Papier einlud, drehte sich alles um die spannenden Fragen: Wer sind unsere Leitfiguren? Taugen die Vorbilder von einst noch etwas in unserer sich rasant verändernden Welt? Eine erneut illustre Runde gab Einblicke in das eigene Schaffen und zeigte Möglichkeiten auf, als Pionier zu agieren und neuen gesellschaftlichen Impulsen den Weg zu bereiten. 

Mit Katharina Hesse und Carolin Blöink erläuterten zwei Vertreterinnen der Stiftung Buchkunst nicht nur das akribische Wettbewerbsverfahren rund um die Schönsten Deutschen Bücher beziehungsweise um die »Schönsten Bücher aus aller Welt«, sondern auch ihren eigenen Antrieb: Die Annäherung an (Buch-)Inhalte erfolgt durchaus und weitaus häufiger als gedacht über das Visuelle und Haptische.  

Katharina Hesse bedauerte sehr, dass es zwar großartige Gestalter in diesem Land gäbe, die schließlich den Alltag aller Menschen prägten, aber dennoch selten in der Gesellschaft wirklich präsent wären.  

So überraschten auch ihre Antworten auf die Frage nach eigenen Vorbildern nicht: 

»Ich war zum Thema Vorbilder nie personenfixiert, vielmehr haben mich gestalterische Werke inspiriert und angetrieben.«

Carolin Blöink

»Pioniere sind gerade die Kreativen, die oft neue gesellschaftliche »Baustellen« erst richtig sichtbar machen und akute Themen begreifbar visualisieren.«

Katharina Hesse

Der zweite Gast in der Runde, die an der FH Mannheim studierende Lisa Hexamer, erzählte von ihrer Semesterarbeit: Während des Corona-Lockdowns führte sie ein sehr persönliches Tagebuch – monochrom aufbereitet mit Alltagsszenen. Aus einem zunächst privaten Projekt entstand schließlich ein Zeitdokument, das die Krise fernab von Daten und Fallzahlen darstellt. In einer weiteren Arbeit versuchte Lisa Hexamer, den Supermarkt zu »De-Emotionalisieren«. Hierfür trennte sie schwarzweiße Lebensmittelabbildungen und eine sachliche Beschreibung dazu in einem strengen Raster voneinander. Auch Lisa Hexamer beantwortete die Frage »Zukunft braucht Raum, Kreativität, Papier und …?«  

»Meine Projekte basieren weniger auf einem gesellschaftsrelevanten Konzept, sie sind eher ein Ausprobieren. Für die Zukunft braucht es Experimentierfreude und generell Spaß an der Arbeit.«

Lisa Hexamer

»Menschen mit Ideen brauchen wir«, so brachte es Harald Egger, Geschäftsführer Sales bei Salzer Papier, auf den Punkt und betonte, dass langjährige Mitarbeiter auch eine Form der Nachhaltigkeit sind. Bei Salzer bringe man zudem beste Papiermacher-Tradition mit modernster Technologie in Form eines voll digitalen Qualitätsmanagements zusammen. 

»Ob in Zukunft eher Multitalente oder Spezialist*innen gefragt sind? Beides (und ich möchte auch gar nicht in einer Welt voller Spezialisten leben)«

Harald Egger

Dieser Aussage stimmte auch der letzte Gast der Runde, Markus Artur Fuchs zu. Er selbst definiert sich als Transformationsgestalter und Kommunikationsarchitekt. Als er mit seinem Team von kontextkommunikation 2008 über einem Nachhaltigkeitsbericht verzweifelte, weil dieser vor »Feigenblattkommunikation« nur so strotzte, wurde kurzerhand das Magazin »Enorm« gegründet, dass sich dem Social Business widmete und heute auch andere brennende Fragen unserer Zeit erörtert. Sich selbst ständig zu hinterfragen, gehört dabei mit zur Philosophie: »Wir haben einen regen Austausch mit unserer Community und beispielsweise einmal nachgefragt, ob Print für unsere Zielgruppe relevant ist. Die Antwort war mehr als deutlich – eine große Mehrheit hat sich für das Gedruckte positioniert«. 

»Warum Transformationsgestalter? Die Aufgaben im Design sind wesentlich komplexer geworden – wir gestalten nicht nur, sondern begleiten Veränderungsprozesse.«

Markus Artur Fuchs

Und um auf die Frage nach Multitalent oder Spezialist*in zurückzukommen, die auch im Mittelpunkt des nächsten IGEPA Online Expertentalks stehen wird, ergänzt Fuchs, dass »man beides bräuchte, denn ohne Dirigent könne ein Spezialist seine Talente gar nicht erst entfalten«. »Ein Spezialist mit einem guten Netzwerk« fände Carolin Blöink ideal, während Lisa Hexamer zwar auch die Spezialisierung anstrebt, allerdings »mit einem breiten Interessensfeld«. Hier besteht also noch Definitionsbedarf – man darf auf die nächste IGEPA Online Expertentalk-Runde gespannt sein. 


Graphic Recording zum Expertentalk am 29.09.2020 Copyright: Antje Dennewitz, Dresden, www.antjedennewitz.de

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