Rückblick

Think green für Bücher

Nachhaltigkeit durch Siegel und Zertifikate?

In einem neuen WebEvent-Format der IGEPA-Akademie, vom 22. Februar 2022 nahm eine spannende Runde ein Thema unter die Lupe, das viele Lebensbereiche, aber eben auch die Buchproduktion, betrifft: Tragen Siegel und Zertifikate tatsächlich zu mehr Nachhaltigkeit bei oder sind sie lediglich ein Feigenblatt für das gute Gewissen? Zu Gast bei Sabine Reister (Content- und Eventmanagerin IGEPA Akademie) war Jan-Marten Krebs, Gründer und Vorstand der Sustainable AG München. Per Videoeinspielung von ihren jeweiligen Wirkungsstätten berichteten zudem Jenny Pfau von EPEA sowie Thomas Salzer von ihren Erfahrungen.

Die Designerin Sabine Reister arbeitet seit über zehn Jahren in mehreren Positionen in der Papierbranche und ist heute Content- und Eventmanagerin bei der IGEPA group in Hamburg. Sie beschäftigt sich mit der Gestaltung von Prozessen, Benchmarking und Produktanalysen, Kunden- und Lieferantendialog sowie internationalen Kontakten. Sie ist verantwortlich für die FSC®- und PEFC-Zertifizierung bei der IGEPA group.

Sabine Reister, Content- und Eventmanagerin, IGEPA Akademie

Thomas Salzer spricht über seinen Weg durch das eigene Nachhaltigkeits-Profil „Tue Gutes und rede darüber“. Gerade Cradle to Cradle® zertifiziert erfahren wir mehr über dieses Label und schauen uns die Nachhaltigkeit-Dimensionen der gängigen Zertifikate an.

Thomas Salzer, Salzer Papier, St. Pölten

Die Organisation EPEA berichtet von ihren Ambitionen. Jenny Pfau hat Salzer Papier auf ihrer Zertifizierung begleitet und erzählt von ihren Erfahrungen im Paper und Print-Bereich und insgesamt zum Status quo auf der Reise zur Circle Economy.

Jenny Pfau, EPEA, Hamburg

Wir sprechen mit Jan-Marten Krebs über Nachhaltigkeits-Kommunikation und fragen ihn nach seinen Erfahrungen. Jan-Marten Krebs ist Gründer und Vorstand der Sustainable AG München, die Unternehmen auf dem Weg zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit unterstützt – unter anderem im Projekt „Weg in die 2°-Wirtschaft“ von Stiftung 2° und WWF Deutschland. Seine Forderung: „Wir müssen Nachhaltigkeitsambitionen weiter erhöhen!

Jan-Marten Krebs, Sustainable AG, München

Grüner Kompass

Dass Zertifikate nicht per se für nachhaltige Produkte sorgen, darin waren sich alle Gesprächspartner einig. Dennoch können sie Hersteller*innen und Verbraucher*innen durchaus Orientierung geben und wichtige Informationen für die Kaufentscheidung liefern. Welche Materialien wurden eingesetzt? Wie sieht die Lieferkette aus? In komplizierten Prozessen ist es gut und richtig, auf einen unabhängigen »Kompass« zu sehen, der zwar nicht die allumfassende, aber dennoch generelle Richtung aufzeigt.

Traditionsbewusstsein – fördert das die Nachhaltigkeit?

Salzer Papier, ein familiengeführter Papier-Produzent, dessen Produkte seit kurzem Cradle-to-Cradle® in Silber zertifiziert sind, beschäftigt Mitarbeiter, deren Großeltern teilweise schon im Unternehmen tätig waren. Der Blick auf folgende Generationen ist über das generelle Umweltbewusstsein hinaus also Motivation genug, Prozesse immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Dies erklärte Thomas Salzer in einem kurzen Einspieler und auch Jan-Marten Krebs, der Firmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützt, kann das seiner Erfahrung nach bestätigen: »Gerade bei familiengeführten Unternehmen wird Nachhaltigkeit häufig langfristig und generationenübergreifend betrachtet. Dieses Denken im Sinne von Investitionen und Nachfolgerschaft, aber auch im Sinne von Werterhalt und langjährigen Kundenbeziehungen hat viel damit zu tun, wie ein Unternehmen Nachhaltigkeit versteht.« Zudem berichtete er, welchen Stellenwert das Thema inzwischen generell erreicht hat: »Während wir am Anfang eher im Keller mit den Umweltleuten zu tun hatten, ist das Thema Nachhaltigkeit in der Strategie und damit beim Vorstand und in der Managmentetage angelangt. Man denkt inzwischen auch nicht mehr nur an die eigene Produktion, sondern hat die gesamte Wertschöpfungskette im Blick«.

Nicht nur Kochbücher sind ein haptisches Vergnügen auf Salzer-Papieren.

Welches Label ist denn nun am besten?

Auch diese Frage sollte in der Runde nicht zu kurz kommen und die schlichte Antwort lautet: Jedes der bekannten Siegel beleuchtet einen einzelnen Bereich und kann schon daher nicht »das Beste« sein. Während FSC und PEFC zwischen Managementprozesse und Wertschöpfungsweise angesiedelt sind, bewegt sich beispielsweise der Blaue Engel zwischen Wertschöpfung und den Produkteigenschaften. Und wo ist nun Cradle to Cradle® einzuordnen? Diese Frage richtete sich an Jenny Pfau von EPEA, eine GmbH, die  seit der Gründung 1987 durch Prof. Dr. Michael Braungart zu einem internationalen Innovationspartner für umweltverträgliche Produkte, Prozesse, Gebäude und Stadtquartiere entwickelte und das Cradle to Cradle® Designprinzip begründete. Dieses beschreibt die potenziell unendliche Zirkulation von Materialien und Nährstoffen in Kreisläufen, deren Inhaltsstoffe unbedenklich sind. »Unser Zertifikat unterscheidet sich insofern von anderen, als dass wir eine ganzheitliche Sicht einnehmen. Wir schauen also nicht darauf, was in einem Produkt ›nicht drin‹ ist, sondern aus was es tatsächlich besteht und zusätzlich das jeweilige Nutzungs-Szenario. Bei einer kompletten Zertifizierung sehen wir uns zwar auch den Produktionsstandort an, Cradle to Cradle® ist aber erstmal ein Design Konzept, in dessen Spektrum es die C2C Zertifizierung gibt. Das ist aber nicht das einzige Arbeits-Tool im C2C Baukasten.« 

Nachhaltigkeit contra Wachstum?

Bei allem guten Willen steht immer wieder die Frage im Raum: Behindert nachhaltiges Produzieren und Wirtschaften das Wachstum? Hier widerspricht Jan-Marten Krebs: »Natürlich will jedes Unternehmen wachsen, wir wachsen ja auch. Ich glaube aber schon, dass wir eine Verantwortung haben, die über den Geschäftserfolg hinausgeht. Zudem: Wenn sich die äußeren Rahmenbedingungen verändern, wird es wirtschaftlich vielleicht in Zukunft auch schwieriger.« 

Die diesbezüglichen Bemühungen in der Buchbranche manifestierten sich beispielsweise in einer Vereinbarung, die die Frankfurter Buchmesse, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie die international publishers association trafen. Der SDG Publishers Compact umfasst dabei zehn Punkte, die auch Jan-Marten Krebs als guten Leitfaden würdigte. 

Nachhaltigkeit ist Teamarbeit 

Mit Einblicken in den komplexen Prozess hin zu mehr Nachhaltigkeit bei Salzer sowie einem Exkurs in die Kontroverse »Online« versus »Print«, bei der Jan-Marten Krebs das Potenzial der Digitalisierung betonte, aber zugleich auf deren hohen Ressourcenverbrauch verwies, konnten die Zuhörer viele Punkte mit auf den Weg in die eigenen Betriebe nehmen. Ein schönes Schlusswort kommt dazu von Jenny Pfau: »Wir brauchen einen open mind, um flexibel zu sein, neue Wege zu finden und die Ideen anderer Menschen aufzunehmen. Wir müssen offen dafür sein, dass es auch andere Möglichkeiten geben kann. Allein funktioniert es meistens nicht, denn eigene Ideen sind gut, für die Umsetzung braucht es aber ein Team.« 


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